Früher habe ich mich jedes Jahr auf den Sommer gefreut. Lange Tage, Eis essen, Grillabende, Freibad und laue Sommernächte, irgendwie gehörte diese Jahreszeit für mich immer zu den schönsten des Jahres.

Mittlerweile hat sich dieses Gefühl allerdings etwas verändert.

Seit ich in einer Dachgeschosswohnung wohne, freue ich mich zwar immer noch auf den Sommer, aber gleichzeitig schaue ich inzwischen regelmäßig auf den Wetterbericht. Sobald mehrere Tage mit über 30 Grad angekündigt werden, weiß ich schon, was mich erwartet: Die Wohnung heizt sich Tag für Tag weiter auf, nachts wird es kaum noch kühler und selbst morgens fühlt sich die Luft bereits warm an.

Wer schon einmal versucht hat, bei 28 oder 30 Grad Raumtemperatur zu schlafen, weiß wahrscheinlich genau, wovon ich spreche. Man wacht ständig auf, dreht das Kopfkissen zum hundertsten Mal auf die kalte Seite und hofft einfach, dass irgendwann ein bisschen Wind durchs Fenster zieht.

Besonders im Homeoffice merke ich dann schnell, wie sehr mich die Hitze beeinflusst. Die Konzentration lässt nach, ich werde schneller müde und selbst kleine Aufgaben fühlen sich plötzlich deutlich anstrengender an.

Dieses Jahr habe ich mich deshalb gefragt:

Warum belastet Hitze unseren Körper eigentlich so sehr? Und was kann ich dagegen tun, ohne direkt mehrere hundert Euro für eine Klimaanlage auszugeben?

Warum Hitze so anstrengend ist

Eigentlich ist unser Körper erstaunlich gut darin, seine Temperatur konstant zu halten. Ganz egal, ob draußen Schnee liegt oder die Sonne scheint – unser Körper versucht immer, ungefähr 37 °C zu halten.

Sobald es draußen allerdings sehr heiß wird, beginnt eine richtige Kühlmaschine zu arbeiten. Die Blutgefäße in unserer Haut erweitern sich, damit mehr Wärme nach außen abgegeben werden kann. Gleichzeitig produzieren wir Schweiß. Verdunstet dieser auf der Haut, entsteht der bekannte Kühleffekt.

Das Problem ist nur: Dieses System funktioniert nicht unbegrenzt.

Je heißer die Luft wird und je höher gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit ist, desto schlechter kann Schweiß überhaupt noch verdunsten. Dadurch muss unser Körper immer mehr Energie aufbringen, um dieselbe Temperatur zu halten. Hinzu kommt, dass wir beim Schwitzen große Mengen Wasser und Mineralstoffe verlieren. Werden diese nicht ersetzt, können Kopfschmerzen, Schwindel oder Kreislaufprobleme auftreten. Was mich besonders überrascht hat: Nicht nur unser Körper leidet unter Hitze – sondern auch unser Gehirn.

Ich habe mich schon häufiger gefragt, warum ich an heißen Tagen so unglaublich unproduktiv bin. Mittlerweile weiß ich, dass das völlig normal ist. Unser Körper beschäftigt sich in erster Linie damit, nicht zu überhitzen. Gleichzeitig schlafen viele schlechter, weil der Körper seine Temperatur zum Einschlafen normalerweise leicht absenkt. Bleiben die Nächte warm, wird der Schlaf weniger erholsam und wir starten bereits erschöpft in den nächsten Tag.

Irgendwie beruhigt mich dieser Gedanke sogar ein wenig.

Nicht jeder Sommertag muss maximal produktiv sein. Manchmal arbeitet der Körper bereits genug.

Mein kleines Hitze-Experiment

Nachdem ich verstanden hatte, warum Hitze so belastend ist, wollte ich herausfinden, welche Maßnahmen für mich tatsächlich einen Unterschied machen. Einige Dinge kannte ich bereits, andere habe ich dieses Jahr zum ersten Mal ausprobiert.

Früh lüften statt den ganzen Tag Fenster kippen

Früher hatte ich häufig tagsüber das Fenster gekippt, weil ich dachte, dass dadurch wenigstens etwas frische Luft hereinkommt. Heute mache ich es genau andersherum.Sobald es morgens draußen kühler ist als in der Wohnung, öffne ich alle Fenster gleichzeitig und lasse einmal richtig durchlüften. Dasselbe mache ich abends oder nachts. Sobald die Außentemperatur höher wird als die Raumtemperatur, bleiben die Fenster wieder geschlossen. Ich war ehrlich überrascht, wie groß der Unterschied dadurch ist.

Alles abdunkeln

Sonne, die gar nicht erst in die Wohnung gelangt, muss später auch nicht wieder hinausgekühlt werden.Deshalb bleiben inzwischen auf der Sonnenseite tagsüber Rollos und Vorhänge geschlossen.Anfangs fühlt sich eine dunklere Wohnung etwas ungewohnt an, aber dafür bleibt es spürbar angenehmer.

Kalte Küche

An richtig heißen Tagen habe ich erstaunlich wenig Lust, den Backofen einzuschalten. Mittlerweile esse ich dann lieber Salate, Brot, Obst oder andere kalte Gerichte. Das spart nicht nur zusätzliche Wärme in der Wohnung, sondern fühlt sich für mich bei hohen Temperaturen auch einfach angenehmer an.

Trinken nicht vergessen

Das klingt wahrscheinlich nach dem offensichtlichsten Tipp überhaupt. Trotzdem merke ich immer wieder, wie leicht ich das Trinken vergesse, wenn ich konzentriert arbeite. Deshalb steht inzwischen immer eine große Wasserflasche direkt neben meinem Schreibtisch. Allein dadurch trinke ich deutlich mehr.

Mein persönlicher Favorit: kalte Füße

Mit diesem Tipp hätte ich ehrlich gesagt nie gerechnet. Eine Kollegin erzählte mir, dass sie im Sommer ihre Füße in einen Eimer mit kaltem Wasser stellt.Also habe ich es ausprobiert. Seitdem steht im Homeoffice tatsächlich manchmal ein kleiner Eimer unter meinem Schreibtisch. Es klingt vielleicht etwas seltsam, fühlt sich aber unglaublich angenehm an und hilft mir deutlich mehr, als ich erwartet hätte.

Ventilator statt Wunderwaffe

Ein Ventilator macht die Luft eigentlich gar nicht kälter. Er sorgt lediglich dafür, dass der Schweiß auf unserer Haut schneller verdunstet. Trotzdem fühlt sich genau dieser Effekt unglaublich angenehm an. Ich habe außerdem einige DIY-Ideen gesehen, bei denen gefrorene Wasserflaschen oder eine Schüssel mit Eis vor den Ventilator gestellt werden.

Kleidung macht mehr aus als gedacht

Lange Zeit habe ich kaum darauf geachtet, welche Kleidung ich im Sommer trage. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal Leinenkleidung ausprobiert. Anfangs fühlt sich der Stoff zwar etwas ungewohnt an, mittlerweile möchte ich ihn an heißen Tagen kaum noch missen. Lockere Kleidung macht tatsächlich einen größeren Unterschied, als ich erwartet hätte.

Das Schlafzimmer möglichst kühl halten

Mein Schlafzimmer versuche ich tagsüber möglichst geschlossen und dunkel zu halten. Vor dem Schlafengehen wird dann noch einmal gründlich gelüftet. Eine Kollegin hat mir außerdem erzählt, dass sie ihre Wärmflasche im Sommer einfach in den Kühlschrank legt und sie nachts als kleines Kühlkissen benutzt. Ich musste erst etwas darüber lachen. Mittlerweile finde ich die Idee ziemlich genial.

Wärme vermeiden, wo es geht

Erst beim Recherchieren ist mir bewusst geworden, wie viele Geräte ständig Wärme produzieren. Computer, Fernseher, Ladegeräte oder der Backofen geben kontinuierlich Wärme an die Wohnung ab. Natürlich lässt sich das nicht komplett vermeiden. Aber alles, was gerade nicht gebraucht wird, schalte ich inzwischen konsequent aus.

Manchmal hilft nur eine Pause

Trotz aller Tricks gibt es Tage, an denen die Wohnung einfach nicht mehr herunterkühlt. Gerade in Dachgeschosswohnungen sammelt sich die Wärme oft über mehrere Tage hinweg an. Dann versuche ich gar nicht erst, dagegen anzukämpfen. Stattdessen verbringe ich den heißesten Teil des Tages lieber irgendwo anders.

Eine Bibliothek. Ein Museum. Ein klimatisiertes Café. Im Büro. Oder einfach ein schattiger Park unter großen Bäumen. Manchmal reicht schon ein Tapetenwechsel, damit sich Körper und Kopf wieder etwas erholen können.

Sommer Take-Home Message

Als ich angefangen habe, diesen Artikel zu schreiben, wollte ich eigentlich nur eine Liste mit Tipps gegen Hitze sammeln. Am Ende habe ich aber gemerkt, dass mich noch etwas anderes überrascht hat. Früher habe ich Hitze einfach ausgehalten. Heute versuche ich zu verstehen, warum mein Körper auf bestimmte Weise reagiert. Allein dieses Wissen nimmt mir ein Stück weit das schlechte Gewissen.

Wenn ich an einem heißen Tag weniger schaffe als sonst, bedeutet das nicht automatisch, dass ich faul bin. Mein Körper arbeitet in diesen Momenten bereits auf Hochtouren, um seine Temperatur überhaupt konstant zu halten.

Natürlich gibt es keine perfekte Lösung. Besonders in einer Dachgeschosswohnung wird es wahrscheinlich immer Tage geben, an denen man sich einfach nur etwas kühlere Luft wünscht. Trotzdem habe ich gemerkt, dass viele kleine Veränderungen zusammen einen erstaunlich großen Unterschied machen können. Vielleicht werde ich mir irgendwann doch eine Klimaanlage anschaffen :D.

Bis dahin sehe ich diesen Sommer einfach als weiteres kleines Experiment. Und das gehört auch einfach dazu: nicht sofort die perfekte Lösung zu kennen, sondern neugierig genug zu sein, verschiedene Dinge auszuprobieren und dabei immer wieder etwas Neues über sich selbst zu lernen.

Wenn der Sommer plötzlich zur Herausforderung wird

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