Content Creation begleitet mich eigentlich schon viel länger, als ich dachte.

Wie wahrscheinlich viele andere habe ich schon seit den Anfängen von YouTube unzählige Stunden auf der Plattform verbracht. Let’s Plays, Vlogs, Selfcare-Videos, Anime, VTuber – irgendwie war YouTube schon immer ein kleiner Teil meines Alltags. Ich fand es unglaublich spannend, anderen Menschen dabei zuzusehen, wie sie ihre Gedanken, Hobbys oder Projekte mit der Welt teilen. Doch irgendwann kam der Moment, an dem ich nicht mehr nur zuschauen wollte.

Als Teenager habe ich angefangen, selbst Videos zu machen. Anime-MVs mit Szenen aus meinen Lieblingsserien, kleine Comedy-Videos und sogar Videos, in denen ich selbst vor der Kamera stand. Das Feedback auf YouTube war eigentlich ziemlich positiv. Manche Videos wurden sogar überraschend oft angesehen und ich hatte erste kleine Collaborations mit anderen Creatorn. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, einen Ort gefunden zu haben, an dem ich einfach ich selbst sein konnte. Offline sah das allerdings anders aus.

Meine Mutter war verständlicherweise überhaupt kein Fan davon, dass ich Videos von mir im Internet veröffentlichte. Gleichzeitig nutzten Mitschüler und Menschen aus meinem Umfeld meine Online-Präsenz, um sich über mich lustig zu machen. Rückblickend war das wahrscheinlich mein erster Kontakt mit Cybermobbing. Trotzdem wollte ich weitermachen. Denn das Erstellen von Inhalten machte mir unglaublich viel Spaß. Ich liebte es, Ideen umzusetzen, Videos zu schneiden und gemeinsam mit anderen kreativ zu werden. Bis eines Tages alles vorbei war…

Als plötzlich alles verschwand

Mein YouTube-Kanal wurde wegen Urheberrechtsverletzungen unwiderruflich gelöscht.

Von einem Tag auf den anderen. Damals wusste ich nicht, an wen ich mich wenden konnte oder ob man überhaupt etwas dagegen tun konnte. Ich war einfach nur allein mit diesem Gefühl, dass plötzlich alles verschwunden war. Nicht nur die Videos. Sondern auch meine Community. Meine Erinnerungen. Meine Arbeit. Sogar Videos meiner mittlerweile verstorbenen Haustiere, von denen ich kein Backup hatte. Ich glaube, bis heute würde ich diesen Moment fast als kleines Trauma bezeichnen.

Natürlich habe ich danach einen neuen Kanal erstellt und die Videos hochgeladen, die ich noch irgendwo gespeichert hatte. Aber etwas hatte sich verändert. Nicht mein Interesse. Sondern mein Vertrauen.

Zum ersten Mal entstand die Angst, dass alles, was ich erschaffe, von heute auf morgen wieder verschwinden könnte.

Und genau in diesem Moment verschwand auch meine „Motivation“. Fast zehn Jahre lang habe ich keine Videos mehr gemacht. Bis Corona kam.

Der zweite Versuch

Während Corona habe ich gemeinsam mit einer Freundin angefangen, eine Fanfiction zu lesen, die ich als Teenager geschrieben hatte. Wir fanden unsere damaligen Ideen so absurd und gleichzeitig so lustig, dass wir beschlossen, die Geschichte weiterzuschreiben und daraus einen kleinen Podcast zu machen. Aus einer spontanen Idee entstand plötzlich wieder etwas Größeres. Ein Instagram-Account. Ein YouTube-Kanal. Regelmäßige Podcast-Folgen. Kleine Videos.

Die Reichweite war winzig. Wahrscheinlich würde man heute sagen, dass das Projekt überhaupt nicht erfolgreich war. Und trotzdem erinnere ich mich unglaublich gerne daran. Nicht wegen der Klickzahlen. Sondern weil es unglaublich viel Spaß gemacht hat, gemeinsam etwas zu erschaffen. Es ging nie darum, berühmt zu werden. Es ging darum, gemeinsam Ideen zu spinnen, über unsere Charaktere zu lachen und aus völlig verrückten Gedanken kleine Projekte entstehen zu lassen.

Als ich später umzog, Vollzeit zu arbeiten begann und der Alltag immer voller wurde, verschwand dieses Projekt langsam wieder. Nicht, weil ich keine Lust mehr hatte. Sondern weil irgendwann einfach keine Zeit und Energie mehr übrig war. Rückblickend glaube ich, dass mir genau dieses Gefühl heute fehlt. Mit meiner besten Freundin in unserer kleinen Studentenwohnung zu sitzen, stundenlang zu brainstormen und sich zu fragen, welches absurde Abenteuer unsere OCs diesmal erleben würden.

Der dritte Versuch

Vor ungefähr einem Jahr kam dann der Wunsch zurück, wieder etwas Eigenes aufzubauen. Diesmal allerdings mit meiner Kunst. Ich habe schon als Kind unglaublich gerne gezeichnet, eigene Charaktere entworfen und mir Geschichten zu ihnen ausgedacht. Dieses Hobby wollte ich wieder aufleben lassen. Mittlerweile folgen meinem Kunstaccount über 1.000 Menschen und jedes Mal freue ich mich, wenn ich eine neue Zeichnung veröffentliche.

Trotzdem fühlt sich dieser Account anders an. Dort geht es hauptsächlich um meine Kunst. Nicht um meine Gedanken. Nicht um meine Experimente. Nicht um die tausend Themen, über die ich gerne nachdenke. In den letzten Monaten kam deshalb immer wieder dieselbe Frage auf.

Wäre eine persönlichere Form von Content Creation auch eigentlich etwas für mich?

Ich schaue Creator wie annikasleaf, die ihren Alltag dokumentiert, kreativ arbeitet und Menschen auf ihre Reise mitnimmt. Und ich merke, dass mich das gar nicht wegen der Reichweite fasziniert. Sondern wegen der Möglichkeit, Gedanken festzuhalten. Ideen zu sammeln. Kleine Selbstexperimente zu dokumentieren. Menschen vielleicht zum Nachdenken anzuregen. Und gleichzeitig selbst Erinnerungen zu schaffen. Vielleicht suche ich gar keinen neuen Beruf. Vielleicht suche ich einfach wieder dieses Gefühl, kreativ zu sein und etwas zu erschaffen.

Die Angst

Ich dachte lange Zeit, dass ich einfach Angst vor Content Creation habe. Doch je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass das gar nicht stimmt. Habe ich Angst davor, bewertet zu werden? Eigentlich nicht. Habe ich Angst davor, dass ein Video mal schlecht läuft? Auch nicht wirklich. Also was hält mich eigentlich zurück? Mir ist aufgefallen, dass sich meine Gedanken fast nie um Kommentare oder Likes drehen. Stattdessen denke ich sofort an Dinge wie:

„Was ist, wenn jemand herausfindet, wo ich wohne?“

„Was ist, wenn ich irgendwann gestalkt werde?“

„Was ist, wenn meine Familie dadurch betroffen ist?“

„Was ist, wenn wieder alles von heute auf morgen verschwindet?“

Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr wurde mir klar, dass meine Angst viel weniger mit Content Creation selbst zu tun hat. Sie hat mit Sicherheit zu tun. Mit Kontrolle. Mit Verlust. Ich habe bereits erlebt, wie sich Menschen über mich lustig gemacht haben. Ich habe erlebt, wie ein kompletter YouTube-Kanal mit all meinen Erinnerungen innerhalb weniger Stunden verschwunden ist.

Aber gleichzeitig merke ich noch etwas anderes. Trotz all dieser Ängste komme ich immer wieder zu demselben Punkt zurück. Ich möchte kreativ sein. Ich möchte Dinge erschaffen. Ich möchte Gedanken festhalten. Ich möchte Geschichten erzählen. Ich möchte Menschen mitnehmen auf kleine Selbstexperimente. Ich möchte Erinnerungen schaffen. Ich möchte mich selber finden.

Und genau deshalb beschäftigt mich dieses Thema nach all den Jahren immer noch. Denn wenn ich wirklich keine Lust auf Content Creation hätte, würde ich wahrscheinlich gar nicht mehr darüber nachdenken. Aber ich tue es. Immer wieder. Nicht: „Will ich Creator werden?“ Sondern:

„Wie kann ich kreativ sein, ohne das Gefühl zu haben, etwas Wertvolles zu verlieren?“

Ich glaube, genau das versuche ich eigentlich herauszufinden.

Content Creation als Selbstexperiment

Anstatt mir also die Frage zu stellen, ob ich Creator werden möchte, möchte ich etwas anderes ausprobieren. Ich möchte herausfinden, welche Art von Content Creation sich für mich richtig anfühlt. Nicht die, die der Algorithmus möchte. Nicht die, die andere erfolgreich gemacht hat. Sondern die, die zu meinem Leben passt.

Vielleicht bedeutet das, dass mein Gesicht nie vor einer Kamera zu sehen sein wird. Vielleicht bedeutet das, dass ich einen eigenen Anime-Charakter erschaffe, der mich repräsentiert. Vielleicht erzähle ich meine Gedanken einfach über Zeichnungen. Oder ich vertone irgendwann meine Blogartikel. Vielleicht entsteht daraus sogar etwas völlig anderes, womit ich heute noch gar nicht rechne.

Und genau das macht dieses Experiment eigentlich spannend. Es geht nicht darum, möglichst schnell Creator zu werden. Es geht darum, herauszufinden, welche Form von Kreativität sich langfristig wie ich anfühlt. Und das ist alles, was zählt. Mir selber wahr zu bleiben.

Take-Home-Message

Freiheit, Sicherheit und Privatsphäre sind mir wichtig. Aber Kreativität eben auch. Vielleicht muss ich mich gar nicht zwischen diesen Dingen entscheiden.

Vielleicht darf ich mir einfach meine eigene Version von Content Creation erschaffen.

Eine Version, die nicht auf Reichweite basiert. Nicht auf Trends. Nicht auf Perfektion. Sondern auf Neugier. Auf kleinen Experimenten. Auf Geschichten. Und auf der Freude, wieder etwas zu erschaffen.

Wie finde ich eine Form von Content Creation, die zu mir passt?

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