Warum mich dieses Thema schon seit Jahren beschäftigt
Content Creation begleitet mich eigentlich schon viel länger, als ich dachte.
Wie wahrscheinlich viele andere habe ich unzählige Stunden auf YouTube verbracht. Let’s Plays, Vlogs, Selfcare-Videos, Anime, VTuber – irgendwie war YouTube schon immer ein kleiner Teil meines Alltags. Ich fand es spannend, anderen Menschen dabei zuzusehen, wie sie ihre Gedanken, Hobbys oder Projekte mit der Welt teilen.
Doch irgendwann kam der Moment, an dem ich nicht mehr nur zuschauen wollte.
Während Corona habe ich gemeinsam mit einer Freundin angefangen, eine Fanfiction zu schreiben. Daraus entstand plötzlich viel mehr: ein Instagram-Account, ein YouTube-Kanal und sogar Podcast-Folgen, die wir als Videos hochgeladen haben. Die Reichweite war winzig. Wahrscheinlich würde man heute sagen, dass das Projekt „nicht erfolgreich“ war. Und trotzdem erinnere ich mich unglaublich gerne daran. Nicht wegen der Klickzahlen.
Sondern weil es Spaß gemacht hat, gemeinsam etwas zu erschaffen.
Als ich umzog und Vollzeit zu arbeiten begann, verschwand dieses Projekt langsam aus meinem Alltag. Irgendwann war einfach keine Zeit und Energie mehr übrig. Rückblickend glaube ich, dass mir genau dieses Gefühl heute fehlt.
Der zweite Versuch
Vor ungefähr einem Jahr habe ich angefangen, einen Kunstaccount aufzubauen. Mittlerweile folgen mir dort über 1.000 Menschen und ich merke immer wieder, wie viel Freude es mir macht, meine Zeichnungen zu teilen. Trotzdem ist dieser Account für mich etwas anderes. Dort geht es hauptsächlich um meine Kunst und weniger um mich als Person. In den letzten Monaten kam deshalb immer wieder dieselbe Frage auf:
Wäre Content Creation eigentlich etwas für mich?
Ich schaue Creator wie annikasleaf, die ihren Alltag dokumentiert, kreativ arbeitet und dabei Menschen mit auf ihre Reise nimmt. Und ich frage mich häufig, ob ich das auch gerne machen würde. Nicht unbedingt, um berühmt zu werden. Sondern weil ich gerne Ideen sammle, Themen analysiere, kleine Selbstexperimente mache und diese Gedanken vielleicht mit anderen teilen möchte. Vielleicht könnte Content Creation genau das verbinden.
Aber warum fange ich dann nicht einfach an?
Ich dachte lange Zeit, dass ich einfach Angst vor Content Creation habe. Doch je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass das gar nicht stimmt. Habe ich Angst davor, bewertet zu werden? Eigentlich nicht. Habe ich Angst davor, dass ein Video mal nicht gut ankommt? Auch nicht wirklich.
Also was hält mich eigentlich zurück?
Die eigentliche Angst
Mir ist aufgefallen, dass sich meine Gedanken fast nie um Kommentare oder Likes drehen. Stattdessen denke ich sofort an Dinge wie:
„Was ist, wenn jemand herausfindet, wo ich wohne?“
„Was ist, wenn ich irgendwann gestalkt werde?“
„Was ist, wenn meine Familie dadurch betroffen ist?“
Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr wurde mir klar, dass meine Angst viel weniger mit Content Creation selbst zu tun hat.
Es geht um Sicherheit.
Vielleicht kommt diese Angst auch daher, wie ich aufgewachsen bin. Als Kind wurde mir oft vermittelt, dass draußen ständig etwas passieren könnte. Gleichzeitig habe ich über Jahre immer wieder Geschichten von großen YouTubern gesehen, die gedoxxt oder gestalkt wurden. Natürlich sind das Extremfälle – aber wenn man solche Geschichten oft hört, fühlen sie sich plötzlich viel realistischer an, als sie wahrscheinlich sind.
Und genau deshalb habe ich unbewusst angefangen, Content Creation mit Kontrollverlust zu verbinden.
Vielleicht stelle ich mir die falsche Frage
Bisher habe ich immer versucht herauszufinden:
„Sollte ich Content Creation machen oder lieber nicht?“
Vielleicht ist das aber gar nicht die richtige Frage.
Vielleicht müsste ich eher fragen:
„Welche Art von Content Creation passt eigentlich zu mir?“
Denn Content Creation bedeutet nicht automatisch, sein komplettes Privatleben ins Internet zu stellen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, kreativ zu sein, ohne dabei seine eigenen Grenzen zu überschreiten.
Content Creation als Selbstexperiment
Anstatt direkt zu entscheiden, ob ich Creator werden möchte oder nicht, möchte ich das Ganze lieber als Experiment betrachten. Vielleicht gibt es eine Form von Content Creation, bei der ich mich sicher und gleichzeitig kreativ fühle. Ein paar Ideen, die ich momentan spannend finde:
Zeichnungen erzählen Geschichten
Statt selbst vor der Kamera zu sitzen, könnte ich einfach meinen Zeichenprozess filmen und darüber kleine Gedanken oder Geschichten erzählen.
Ein Anime-Ich
Da ich ohnehin gerne zeichne, könnte ich mir einen eigenen Charakter erschaffen, der mich repräsentiert. Vielleicht als PNG-Tuber oder sogar irgendwann als VTuber. So könnte ich Inhalte erstellen, ohne meine Privatsphäre aufzugeben.
Kleine Video-Essays
Eigentlich schreibe ich bereits Blogartikel wie diesen. Warum also nicht dieselben Gedanken als kurze Videos erzählen? Vielleicht mit Text, Musik und Zeichnungen anstatt mit einer Kamera vor meinem Gesicht.
Das kreative Tagebuch
Anstatt zwanghaft Content produzieren zu wollen, könnte ich einfach dokumentieren, woran ich gerade arbeite. Ein neues Bild. Ein interessantes Buch. Ein Gedanke. Ein Selbstexperiment. Nicht, um perfekt zu sein. Sondern um meine Reise festzuhalten.
Take-Home-Message
Ich glaube nicht mehr, dass ich Angst vor Content Creation habe. Ich glaube vielmehr, dass ich Angst davor habe, meine Freiheit und Sicherheit zu verlieren. Und vielleicht muss ich diese Angst gar nicht komplett überwinden. Vielleicht reicht es schon, einen Weg zu finden, der zu meinen eigenen Bedürfnissen passt. Ich muss nicht die Art von Creator werden, die täglich ihr gesamtes Leben dokumentiert. Ich muss keine Trends mitmachen und auch nicht jedem Algorithmus hinterherlaufen.
Vielleicht darf ich mir einfach meine eigene Version von Content Creation bauen.
Eine Version, die sich wie ich anfühlt.
Ich werde deshalb verschiedene Formate ausprobieren und sie eher als kleine Experimente betrachten als als Verpflichtung. Vielleicht merke ich dabei, dass manche Ideen überhaupt nicht zu mir passen. Vielleicht entdecke ich aber auch etwas, das mir genauso viel Freude bereitet wie damals unser kleines Podcast-Projekt. Und vielleicht ist genau das der eigentliche Sinn von all dem. Nicht herauszufinden, ob Content Creation etwas für mich ist.
Sondern wie sie aussehen muss, damit sie zu meinem Leben passt.
